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Affentheater
EVENT PARTNER-Autor Andreas Schäfer geht in der literarisch/philosophischen Eventecke den Ursprüngen und Untiefen der menschlichen
Kommunikation nach.
Frei heraus: Kommunikation ist gefährlich. Sie birgt die Gefahr des
Missverständnisses. Abtauchen ist eine beliebte Praxis. Unternehmen machen das gerne mit den Hotlines, in der Hoffnung, der Kunde gibt in der endlosen Menüführung schon rechtzeitig auf. Dabei ist die komplexe
Kommunikation noch gar nicht so alt und in gewisser Weise uns Menschen vorbehalten. Menschenaffen erlernen ihre Laute wohl weniger. Sie bekommen sie vererbt. Diese Laute werden auch nicht zielgerichtet geäußert,
sondern allgemein gestreut. Gut, das tut so mancher Halbstarke unter den Menschen auch, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Menschenaffen müssen die zielgerichtete Kommunikation erst lernen. Mimik und Gestik
sind an einen konkreten Empfänger gerichtet. Das und viel mehr findet sich in Michael Tomasellos „Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation“, (Suhrkamp, Berlin, 409 Seiten, ISBN 978-3-518-58538-2). Tomasello ist
Ko-Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Während Menschenaffen bei Zeigegesten bereits abstrahieren können, ist eine komplexe Sprache (mit Grammatik) uns Menschen vorbehalten.
Kommunizierende Menschenaffen können aufgrund früherer Erfahrungen, vorhersagen, was ein menschlicher Empfänger tun wird. Zeigegesten führen aber nicht zum Ziel, wenn sie an nähere Artgenossen gerichtet sind. Affen
sind untereinander weniger hilfsbereit. Sie zeigen nicht deklarativ, um einem anderen Individuum zu bedeuten, dass sie sich für etwas interessieren oder dass etwas ihre Aufmerksamkeit geweckt hat. Dazu sind
menschliche Kleinkinder aber schon sehr früh in der Lage.
Erfahrung spielt auch beim Menschen eine große Rolle.
Erfahrung spielt auch beim Menschen eine große Rolle. Sie wird benutzt, um eine
Botschaft einzuordnen. Bedeutung entsteht also immer erst im Kontext. Eine Botschaft ohne Empfänger ist ein mehr oder minder simpler Code. Das wird im Marketing oft vergessen. Eine Botschaft braucht ein Environment,
um als wichtig eingestuft zu werden. Nichts anderes will das Marketing bezwecken. Es ist aber eher an Deutung geknüpft. Dabei wird eine Sicherheit generiert, die es so gar nicht gibt. Überzeugt zu sein, ist beim
Kommunizieren dagegen durch nichts zu ersetzen. Da kommt es also auf die Haltung an. Schon Aristoteles wusste, worauf es bei der Rhetorik ankommt: Gute Rhetorik ist das Produkt aus dem Logos, dem Pathos, - und nicht
zu vergessen - dem Ethos! Also aus dem Wort, der Emotion und der Haltung des Redenden. Das Beispiel mit der Multiplikation ist deshalb gut gewählt, weil das Produkt gleich Null ist, wenn mindestens einer aus der
Trilogie der Multiplikatoren von Ethos, Pathos und Logos gleich Null gesetzt ist. Ohne Haltung nix Kommunikation. So einfach ist das.
Der Mensch ist für Tomasello das Tier, das mitteilt. Ein Tier, das tatsächlich
„wir“ sagt. Und das Freude hat an der Kooperation mit anderen. Dafür hat er untersucht, wie menschenähnlich Affen sich verhalten können und wie Kleinkinder denken, wenn sie noch nicht in Sprache und Konventionen
sozialisiert sind. Sprache hat auch eine soziale Funktion. Und bei allen individuellen Ansätzen sollte man dies auch nicht vergessen. Menschen fühlen sich wohl in Gruppen und identifizieren sich über die gemeinsame
Sprache. Das kann ein Code oder ein Dialekt sein. Der Mensch ist nicht gerne alleine und Eventkommunikation ist in der Regel Gruppenkommunikation. Das geht über Teambildung und das notorische gemeinsame Trommeln
hinaus.
Intelligente Kommunikation sieht den Partner und nicht nur das Ziel!
Menschen kooperieren mit Freude, Schimpansen benutzen den Partner dagegen wie
ein Werkzeug. Wie äffisch also ist manche manipulative Eventkommunikation. Intelligente Kommunikation sieht den Partner und nicht nur das Ziel! Nicht operative Intelligenz macht den Unterschied, sondern die soziale
Kompetenz, uns in andere hineinzudenken, mitzufühlen, mit ihnen zu kommunizieren und gemeinsam zur Handlung zu schreiten und diese gemeinsam zu vollziehen. Dieser Sockel der gespürten „Wir-Intentionalität“ ist für
Tomasello der Urgrund der menschlichen Kommunikation sowie des späteren Lebens in Institutionen, Normsystemen, Ethiken. Nicht zuletzt die Sprache. Die ist für Tomasello, so die ZEIT, ein wesentliches Merkmal unserer
Gattung, wenn auch nicht das fundamentale. Das Überliefern hat uns einen Vorteil verschafft. Affen beginnen immer wieder von vorn. Menschen geben ihre Erfahrungen verbal weiter. Das geht natürlich schneller als in
genetischen Zyklen. Diese Kooperation mit Sprache muss vor Urzeiten der große Gattungsvorteil gewesen sein. Und wir können uns gemeinsam freuen, Homo sapiens zu sein.
Sprechhandlungen, so Tomasello, sind gesellschaftliche Handlungen, die
absichtlich an andere gerichtet werden, um deren Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft auf bestimmte Weise zu lenken, so dass sie das tuen, wissen oder fühlen, was die erste Person von ihr will. Sprachliche
Kommunikation sei eine gesellschaftliche Form des Handelns, konstituiert durch gesellschaftliche Konventionen, um gesellschaftliche Zwecke zu erreichen, welche zumindest auf einem gewissen geteilten Verstehen und
geteilten Zielen der Benutzer beruhen. So schreibt der Wissenschaftler in den „Ursprüngen“ Der Rest ist Schweigen oder Affentheater!
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