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Inszenierungen: Innovation im öffentlichen Auftrag
Event Partner-Autor Andreas Schäfer berichtet in einem "Making of" vom Fraunhofer Fest der Forschung 2004. Im Auftrag und in enger Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur kontrapunkt
event marketing hatte er mit dem ARTCORE-Kollektiv die künstlerische Leitung, die inszenatorische Umsetzung und das Bühnendesign in Dresden übernommen. Heraus kam ein vielschichtiger und mehrdimensionaler Event, der
die Forscheravantgarde der Fraunhofer Gesellschaft in ihrer ganzen Vielschichtigkeit und im Kontext der großen Entdeckungen, Erfindungen und Entwicklungen zeigte.
Auch öffentliche Institutionen müssen aufpassen, dass ihre Stimmen im Chor der großen Kommunikationsbudgets der Multis nicht untergehen. Der verantwortungsvolle Umgang
mit Steuergroschen ist aber auch eine gewichtige Seite. Da heißt es nicht zu protzen. Und nicht, “koste es, was es wolle”, zu beeindrucken. So geht es auch der anwendungsorientierten unter den Deutschen
Forschungsgesellschaften. Dabei finanziert sich die Fraunhofer Gesellschaft mit 80 Instituten an 40 bundesweiten Standorten, in Europa, den USA und Asien nur zu einem Drittel aus Bundes- und Landesmitteln. Der große
Rest wird mit Vertragsforschung erwirtschaftet. Ein Grund mehr, aufzufallen. Unter den 12.700 Mitarbeitern werden alljährlich die besten der Besten beim “Fest der Forschung” für ihre Forscherarbeit ausgezeichnet.
Und als Protagonist der Innovation, darf die Gesellschaft mit dem Hauptsitz in München natürlich auch das Fest der Forschung nicht bieder ausrichten. In Stil und Form sind Avantgarde und Mut gefordert. Eben
Event-Innovation. Dieses mal unter dem Titel:“Perspektivwechsel”.
Poesie und Perspektiven oder die Philosophie des Events
Denn der Perspektivwechsel bereichert den Blick. Um das Neue zu entdecken, ist er Grundlage, sowohl in Wissenschaft, Forschung als auch Kunst. Ohne Perspektivwechsel
keine Entwicklung. Eine weitere wichtige Ingredienz für Entwicklung sind Emotionen. Sie sind die Triebfedern, Grenzen zu überschreiten und die Dinge zu tun, die ansonsten maximal nur gedacht bleiben. Das
Künstlerkollektiv ARTCORE rückte deshalb die Emotionen von Forschern, Wissenschaftlern und Erfindern in das Zentrum einer Performance, die die Schönheit des Entdeckens zur Projektionsfläche eines poetischen Kosmos
machte. Eine Collage aus Zitaten traf auf Klänge und Bilder. So entstand eine eigene sinnliche Sprache für das Fest der Forschung 2004, ein eigener Soundtrack, der immer wieder neue Perspektiven aufblätterte. Er
bildete ein mehrdimensionales Environment für den Gesamtzusammenhang, dessen Bildelemente in ihrer Vielschichtigkeit mit dem Element Licht und all dessen Erscheinungsformen spielte.
Musik, Sprache und Bilder waren der Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch den einzigartigen Kosmos, der durch Sein, Erkenntnis und Handeln entsteht. Ein Kosmos,
der grandiose, gewaltige, geheimnisvolle aber zuweilen auch komische Seiten offenbart. Der Event leuchtete in die Sofaritzen dieses Kosmos und spiegelte wieder, um es in Marie Curies Worten auszudrücken: “ ... dass
die Wissenschaft etwas sehr Schönes ist.”
Ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass die Wissenschaft etwas sehr Schönes ist.
Marie Curie
Die Bühne bildete eine weiße Insellandschaft. Inspiriert von Caspar David Friedrichs Eismeer, wurden Standard-Bühnenelemente so gruppiert, dass sie mehrere
Unterbühnenflächen bildeten: für die Musiker, für die Preisträger wie Laudatoren und auch für die Schauspieler, die von dort aus zu einem Mondflug starteten oder mit einer mexikanischen Mikrobe tanzten. In die
Bühnen waren Leinwände integriert, auf die live Bilder von Artcore VJ Klaus Dietermann gemixt und projiziert wurden. Ebenso waren mehrere Klappleinwände für Rückpros installiert. Die Verwendung von Standardteilen
war dabei sehr budgetfreundllich - bei der Gleichzeitigkeit einer ungewöhnlichen Bühnenkonstruktion, in die sogar ein Raum integriert war, “Das Laboratorium der Träume”, aus dem nur per Kamera Bilder einer Tänzerin
übertragen wurden. Den gewaltigen Bildgrund lieferte eine 24 Meter breite und 6 Meter hohe Leinwand als Bühnenabschluss. Der Düsseldorfer ARTCORE-Künstler Robert Reschkowski projizierte hierauf assoziative
Großbilder oder wandernde Spektrallinien, aus deren schwarzen Elementen, Bilder der in der Performance zitierten Wissenschaftler oder den erwähnten Entdeckungen und Erfindungen wie Ikonen auftauchten. Die schwarzen
Spektrallinien wurden übrigens von Joseph von Fraunhofer entdeckt und ebenso wie die Forschungsgesellschaft nach ihm benannt.
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht.
Albert Einstein
Die ARTCORE-Sängerin Claudia Gahrke war die Hauptperson unter den Musikern, die einen vollständigen atmosphärischen Soundtrack (unterstützt durch 12 tiefengewaltige E
24 SE Basssysteme von Föön) unter die gesamte Veranstaltung legten. Die Schauspieler Doris Otto, Mark Weigel und Hans Hohlbein liehen den verschiedenen Wissenschaftlern und Erfindern von Marie Curie bis Albert
Einstein, von Gerty Theresa Cori bis Manfred von Ardenne oder von den Gebrüdern Wright bis Lise Meitner ihre Stimmen. ARTCORE bot mit dem Berliner Schauspielstar
Herbert Fritsch einen hochkarätigen Überraschungsgast auf, der als kurios erfolgloser Erfinder verblüffte. Insgesamt orientierte sich die Veranstaltung eher an der Bühnenästhetik der Theateravantgarde als an der herkömmlicher Events. Damit boten sich auch Kanten für die Polarisierung wie auch für die Profilierung. Wie bei einem Fraunhoferprisma eben.
Die Physik wird bei einem (oder mehreren) Glas Portwein um neue Entdeckungen bereichert.
Werner Heisenberg
Denken, Fühlen und Handeln in Kunst und Wissenschaft, in Poesie und Forschung sind verwandt. Beide bedürfen der gleichen Voraussetzungen. Bei Beiden spielt Mut die
zentrale Rolle. Im Wechselspiel zwischen Wirklichkeit und ihrer Abbildung mittels Sprache wird Klarheit nur gewonnen, wenn man das Wagnis eingeht, alles Vorgeschriebene und Gesicherte zu verlassen, alles scheinbar
Bewährte, jedes Wort, jeden Satz als Neuland zu betrachten. Das waren die Thesen, die das Vademekum des Events unter dem Motto “Perspektivwechsel” bildeten.
Auf den Abenteuerreisen durch das Leben und Werk von Wissenschaftlern, Forschern und Erfindern kommen Artefakte von großer sprachlicher Schönheit ans Licht, mit denen
sich poetisch spielen lässt. Auch Gefühle von Leidenschaft, Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die eine ganze Bibliothek dramatischer Literatur füllen könnten. Letztendlich siegt jedoch der Mut, die
Barrieren zu überwinden und weiterzugehen.
Die Performance sprang mit Leichtigkeit zwischen Mitteln und Spielebenen. Sie bediente sich des ungeheuren Reichtums, den menschlicher Geist, Verstand und Emotion als
kulturelles Menschheitsmaterial hervorgebracht hat. So erfuhren die Zuschauer, dass “die Physik nach einem (oder mehreren) Glas Portwein um neue Entdeckungen bereichert wird”, dass der Urknall auch Einbauküchen
hervorgebracht hat und dass wir vor zehn Milliarden Jahren alle aus Sternen gemacht wurden. Wissenschaft und Forschung sind mitnichten ein trockenes Feld. Sie können auch eine lustvoll poetische Spielwiese sein. Auf
die Perspektive kommt es eben an.
Innovation braucht mutige Partner. kontrapunkt event marketing und Fraunhofer waren solche. In diesem Jahr hat ein Institut der Fraunhofer Gesellschaft nun auch noch den
Zukunftspreis des Bundespräsidenten gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Das Universum dehnt sich aus.
Partner:
Durchführende Agentur:kontrapunkt event marketing GmbH, Hamburg
Inszenierung und Bühnendesign:ARTCORE, Solingen
Bühnenbau, Sonderbauten:eventlogistic, Solingen
Subbasssysteme: Föön Audiotecture, Solingen
Kostüme: Raloth, Wuppertal
On stage Videotechnik, Videoproduktion:Hetfeld Medientechnik, Düsseldorf
Besonderheiten im Einsatz:
2 Urei 1178 für die Schauspielermikrofone
1 Universal Audio 6176 mit Crown CM 311 A für Claudia Gahrke
4 Sabine Feed-back Killer für die Schauspielermikrofone
1 Peavy Feed-back Ferret für Claudia Gahrke
4 Föön MFB 2101 als Bühnenmonitore
12 Föön E 24 SE als Subbasssysteme
2 DBX Subbassprozessoren
3 motorbetriebene, ferngesteuerte Klappleinwände
diverse Funk- und kabelgebundene Überwachungskameras
1 kompletter VJ-Videomischplatz mit Sony Z 1000 on stage
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